" /> Detlev und ich bei den Ostfriesen - CAROTTES REISE

Detlev und ich.

Detlev und ich bei den Ostfriesen

Viele Menschen beschweren sich darüber, dass das Meer hier bei uns in Norddeutschland immer nicht da ist, wo man es gerade haben will. Für mich allerdings ist das Meer immer da, wo ich es gerade brauche.

Letztes und dieses Wochenende habe ich Detlev Richtung Küste gelenkt. Die Schule hat wieder angefangen und am Ende einer jeden Woche hatte ich das unbändige Bedürfnis, einfach nicht mehr zu reden, nichts mehr organisieren und an nichts mehr denken zu müssen und nur noch zu sein. Welcher Ort bietet sich da besser an als das Meer. Die Nordsee. In meinem Fall Ostfriesland.

Es hat natürlich auch etwas damit zu tun, dass die Nordsee für mich so nahe liegt. Dass es den Wesertunnel gibt, der es mir leicht macht, auf die andere Seite der Weser zu kommen. Dass nach Norden raus der Verkehr bei uns auf der Autobahn nicht so schlimm ist wie in die andere Richtung. Es kommt also Vieles zusammen, in jedem Fall aber habe ich hier an der Küste mein Eldorado der Ruhe gefunden.

Und egal, wo die Nordsee gerade ist, es ist immer gut. Ich höre zur Zeit, wenn ich mit Detlev unterwegs bin, das Hörbuch „Driving Miss Norma“. Ein Satz, den die beiden Autoren immer wieder sagen, heißt: „Sag ja zum Leben. Nimm, was kommt und mache das beste draus.“ Nirgends kann ich das besser üben als hier, an der Nordsee, wo das Meer immer in Bewegung ist.

Wenn Flut ist, bade ich mit meinen Hunden im Meer, wenn Ebbe ist, machen wir lange Wattwanderungen und freuen uns über die schier unendliche Weite. Wenn es regnet und stürmt, wie letztes Wochenende, freue ich mich darüber, dass Detlev, im Gegensatz zu meinem vorherigen Schnauzermobil, eine funktionierende Gasheizung hat, wenn die Sonne scheint, freue ich mich über meinen tüchtigen Kühlschrank, der mir großzügig kalte Getränke spendiert.

Und ich liebe das flache Land. Le Plat Pays, wie Jacques Brel es besingt. Mit seinem grauen Himmel und seinen Winden. Ich liebe es, kilometerweit gucken zu können, ohne dass irgendwelche Berge meinen Blick stören. Noch dazu ist Ostfriesland einfach fantastisch zum Radfahren. Etwas, was ich immer gerne tue, egal wo ich bin, aber im Flachland macht es mir eben mehr Spaß als in den Bergen.

Als ich noch in Göttingen studierte und im Wohnheim wohnte, machten sich meine Mitbewohner immer daüber lustig, dass wir „Fischköppe“, wie sie uns nannten, nach spätestens drei Wochen unruhig wurden und unbedingt nach Hause fahren mussten. Ins Flachland. Ans Meer.

Und noch heute ist es so, dass ich, wenn ich mit mir ins Reine kommen muss, ans Meer fahre. Der Blick aufs Wasser oder meinetwegen eben auch auf das nicht vorhandene Wasser hilft mir immer, meine Gedanken zu ordnen. Und der immerwährende, voraussehbare Wechsel der Gezeiten schafft es jedes Mal, mich wieder mit beiden Beinen auf die Erde zu stellen.

Und so war also die letzten beiden Wochenenden Ostfriesland und die Nordsee unser Ziel. Nicht weil es so schlimm wäre, dass die Schule wieder angefangen hat. Im Gegenteil. Ich mag meinen Beruf und ich mag meine Schüler. Aber trotzdem ist der Schuljahresanfang immer anstrengend, hektisch, chaotisch. Schüler und Lehrer gleichermaßen müssen sich erst wieder in den Rhythmus des neuen Schuljahres einfinden und in den Rhythmus der Schultage mit frühem Aufstehen und stundenlangen Sitzen in momentan meist überhitzten Klassenzimmern.

Meine Hunde allerdings nehmen es wie es kommt, egal wohin wir fahren. Wie immer. Wenn es darum geht, ja zu sagen zum Leben und den Moment zu leben ohne vorher und ohne danach, sind unsere Hunde die besten Lehrmeister.

 

  1. Dominice Haack

    Das hast du so schön beschrieben, Anna.
    Du sprichst mir aus der Seele- Meer tut einfach gut!

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