" /> Mein Sommer mit Detlev - CAROTTES REISE

Mein Sommer mit Detlev

Border Collie und Riesenschnauzer vor einem Wohnmobil Dethleffs Advantage 5431

Als ich eben so in der Hitze vor mich hinlitt und mit überlegte, wo es dieser Tage wohl kühl sein könnte in Europa, fiel es mir ein: In der Normandie.

Und genauso ist es. Schnell die Wetterapp überprüft und tatsächlich, angenehme 24 Grad sind es, morgen soll es wohl einmal einen heißen Tag mit über 30 Grad geben, aber ansonsten immer moderate Temperaturen, gerade mal über 20 Grad. Und ich habe überlegt, wie es sein kann, dass ich hier in einem Kaff sitze, nahe Helmstedt, weil es im Stellplatzführer so aussah, als ob der Stellplatz erstens schattig und zweitens neben einem Schwimmbad liegen würde und außerdem nicht weit weg von der Autobahn und somit von meinem Weg nach Hause aus Berlin, statt irgendwo am Atlantik das verhältnismäßig kühle Wetter zu genießen.

Und es stimmt, keine Frage, der Platz ist schattig und hat Bäume und ist wirklich hübsch und noch dazu kostenlos und liegt in der Tat genau neben dem Schwimmbad, das sich aber leider als Hallenbad entpuppte. Und alles was recht ist, aber bei dieser Affenhitze finde ich ein Hallenbad einfach eben nur so mäßig attraktiv. Dabei war ich auf dem Weg hierher noch an einem Wegweiser zu einem Campingplatz mit eigenen Schwimmbad vorbeigefahren (und ich habe es eben auf Googlemaps überprüft, das versprochene Freibad liegt tatsächlich im Freien), aber ich war, wie so oft auf dieser Tour, einfach nicht spontan genug oder nicht entschlussfreudig genug. Oder vielleicht war es eher so, dass meine Entschlussfreude schon aufgebraucht ist, nachdem ich auf dem Weg hierher schon einmal auf der Autobahn kehrtgemacht habe (bildlich gesprochen, versteht sich), um einen Stellplatz am See anzufahren, der sich dann leider als nicht existent herausgestellt hat. Jedenfalls stehe ich nun hier und anders als Luther könnte ich schon anders, wenn ich wollte, aber wollen will ich eben nicht, dafür ist es zu heiß.

Stattdessen überlege ich also, wie es dazu kommen konnte, dass ich eben nicht in der Normandie gelandet bin, sondern stattdessen eine Tour durch die Schweiz, das Elsass, die Ardennen und das nördliche Deutschland gemacht habe. Keiner hat mich dazu gezwungen. Ich wollte unbedingt mit meinen Hunden zum Schlegel in die Schweiz, ich wollte auch unbedingt mal durch das Elsass fahren und meine Schwester hat nicht darauf bestanden, dass ich sie wieder in Bremen absetze, sie wäre auch mit dem Zug nach Hause gefahren, aber das wollte ich nun wieder nicht. Und ich wollte auch unbedingt noch nach Hamburg und nach Berlin fahren, um meine Söhne zu besuchen und eigentlich hätte ich auch noch nach Polen fahren wollen, um meine Freundin Linda zu besuchen und zu reiten, und mit meinen Hunden in der versprochenen Einsamkeit zu wandern und Fahrrad zu fahren… aber dafür war es dann definitiv und wirklich zu heiß.

Aber ich muss daran arbeiten, ganz sicher. An der Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen. An der Fähigkeit, loszulassen und die Kontrolle, die eh nur eine Illusion ist, abzugeben und alles zu nehmen, wie es ist und jeden Tag zu genießen. Was mich aber nicht daran hindert, mir jetzt schon vorzustellen, wo ich in den Herbstferien hinfahren will und nächstes Jahr zu Ostern und ganz sicher auch irgendwann in die Normandie. Das Loslassen muss ich augenscheinlich noch etwas üben.

2 Gedanken zu „Mein Sommer mit Detlev“

  1. Meine liebe Anna,
    Ich bin der Meinung das du die wichtigen Dinge ja wohl sehr sicher Entscheiden kannst. Und bewusst losgelassen hast du doch schon so einiges in deinem Leben.
    Du hast einen klaren und reflektierten Blick auf die Dinge die um dich herum stattfinden und du stehst jederzeit zu deinen moralischen Werten und entscheidest dich immer wieder dazu, sie notfalls mit allen Konsequenzen, zu vertreten.
    Also bitte, was nun genieß doch mal einfach deine Spontanität, wo bleibt denn da sonst der Spaß?
    Ich bin stolz auf deine Entscheidungen die ich bisher mitbegleitet habe!

    1. Liebe Dominice,
      vielen Dank. Du kennst mich ja – zufrieden sein mit mir, das fällt mir schwer. Aber du hast recht, ich sollte wirklich mit dem Genießen anfangen!

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