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Inklusion

So bunt wie die Mauer, so bunt sollten Bremer Schulklassen sein. Jedem Schüler seinen festen Platz in der Gemeinschaft. Jedem seine Einzigartigkeit. Alle zusammen.

 

Die Inklusion in Bremen mit seinem zweigliedrigen Schulsytem nach Klasse 5 (Gymnasium oder Oberschule) ist nun mittlerweile acht Jahre alt und wurde von der Bremer Bildungsbehörde umfassend evaluiert.  Man sollte meinen, dass der Begriff der Inklusion mittlerweile verstanden und mit Inhalten gefüllt sein müsste.

 

Trotzdem gibt es immer noch – viele! – Kollegen, die hartnäckig von den „Inklusionskindern“ sprechen. Das macht mich, nach all den Jahren, die wir die Inklusion in Bremer Schulen nun mehr oder minder leben, fassungslos. Ich wünschte wirklich, dass meine Kollegen verstehen würden, was das Wort „Inklusion“ eigentlich bedeutet: Gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft.

 

Innerhalb der Bremer Oberschullandschaft gibt es immer wieder die Diskussion darüber, ob es nun besser ist, die statuierten Förderschüler in einer „Schwerpunkt-Klasse“ zu beschulen oder sie lieber auf alle Klassen der Schule möglichst gleichmäßig zu verteilen. Ich bin bei diesem Thema hin- und hergerissen.

 

Einerseits vertrete ich den Inklusionsgedanken mit Leib und Seele. Und ich meine wirkliche Inklusion, also den Einschluss aller Schüler in eine Gruppe.  Denn jeder Schüler hat Förderbedarf und darum geht Inklusion uns alle an. Und ich glaube immer noch, auch nach acht inklusiven Schuljahren, dass alle Schüler von einander lernen und profitieren können.

 

Andererseits habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, je mehr sich Kinder von anderen Kindern unterscheiden, körperlich, geistig oder auch emotional, desto wichtiger ist es unter Umständen für sie, in ihrer eigenen Peer-Group eine Heimat zu finden. Bis auf wenige Ausnahmen vielleicht haben wir doch alle die Sehnsucht danach, irgendwo dazu zu gehören. Kindern geht es da nicht anders. Und für Jugendliche in der Pubertät bekommt das noch mal eine ganz besondere Wichtigkeit.

 

Trotzdem bin ich ein großer Freund davon, alle Schüler eines Jahrganges möglichst gut zu durchmischen und eben keine gesonderten Schwerpunktklasse zu bilden, wie es fast überall in der Bremer Bildungslandschaft der Fall ist.

 

Der Vorteil dieser Schwerpunktklassen liegt natürlich auf der Hand: Nur dann, wenn statuierte Förderschüler in einer Klasse gebündelt werden, kann man gezielt Förderkräfte einsetzen und für einen größeren Teil der Stunden eine Zweitbesetzung realisieren.

 

Der Nachteil ist aber meiner Meinung nach genauso klar ersichtlich: Dort, wo statuierte Förderschüler in einer Klasse zusammen gefasst sind, wird der Gedanke der UN-Behindertenrechtskonvention, die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft, eigentlich ad absurdum geführt. Und gerade die emotional-sozial bedürftigen Kinder brauchen eine möglichst stabile Gruppe, die sie auffangen kann. Wenn die Mehrheit einer Klasse emotional instabil ist, dann wird das Auffangen schwierig.

 

Nur, so wie Bremen sich das vorstellt, nämlich Inklsuion zum Nulltarif, ist der Inklusionsgedanke zum Scheitern verurteilt. Es hat sich gezeigt, dass es eben nicht reicht, Zentren für Ünterstützende Pädagogik einzurichten und an die Schulen anzugliedern, so wenig, wie es gereicht hat, bestehende Förderzentren aufzulösen und die Kollegen an die verschiedenene Oberschulen im Land Bremen zu verteilen.

 

Trotz aller Versprechungen der Politik gibt es immer noch nicht genügend Sozialarbeiter, Erzieher, Sozialpädaogogen an der Schule. Auch Förderlehrer sind Mangelware. Und das führt in letzter Konsequenz dann dazu, dass viele förderbedürftige Kinder, egal ob sie nun statuiert sind, d.h. einen von der Behörde genehmigten Förderbedarf haben, oder nicht, in der inklusiven Schule nur mitlaufen.

 

Wo die emotional-sozial auffälligen Kinder davon profitieren, in einer stabilen Klassengemeinschaft aufgefangen zu werden und sich somit hoffentlich so weit festigen können, dass sie in der Lage sind, am Unterricht teilzunehmen, kommen die lernschwachen Schüler, die aber sonst unauffällig sind, oft zu kurz. Es gibt einfach nicht genügend Förderkapazitäten und mit gelegentlich einem zusätzlichen Arbeitsblatt oder einer im Lernniveau reduzierten Klassenarbeit ist es eben nicht getan.

 

Und so bleibt am Ende des Tages nichts, als das Unmögliche zu versuchen und zu akzeptieren, was sich nicht ändern lässt. Der Inklusion dient das aber nur wenig.

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